Ist Feige vegan? – Eine Diskussion am Ziel vorbei.
Wenn du danach googelst, bekommst du leider sehr viele reißerische Artikel, die vermeintlich erklären, dass in jeder Feige eine Wespe stecken oder warum Feigen (angeblich) nicht vegan seien. Auch wird suggeriert, dass das ein Thema sei, das „selbst unter Veganer:innen“ kontrovers diskutiert wird. (Haben wir persönlich noch nie, mit niemandem diskutiert.)
Daher folgt zunächst die informative Antwort, bevor wir darauf eingehen, warum wir glauben, dass diese Diskussion in der Regel aus den falschen Gründen geführt wird.
Sind Feigen vegan?
Es stimmt, dass zur Befruchtung einiger Feigenarten, die wir essen eine Insektenart benötigt wird, die zwar auch als Feigenwespe oder Feigengallwespe bezeichnet wird, jedoch keine Wespe ist. In dem natürlich Prozess brauchen beide, d.h. die Feigenwespe (Blastophaga psenes) und die Feige sich gegenseitig. Denn das Insekt legt ihre Eier in der Blüte der Feige ab. Geschieht das in der männlichen Feige, kann das Insekt diese wieder verlassen, nimmt dabei Pollen mit und sucht sich eine neue Feige. Ist diese nun weiblich, kann die Feige befruchtet werden. Auch hier legt das Insekt wieder Eier, verliert aber beim Eintritt in die Feige ihre Flügel und stirbt hier. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir das Insekt mitessen. Da dieses sehr klein ist, wird es von Enzymen zersetzt und ist in der Reifen, essbaren Frucht nicht mehr vorhanden. Es gibt zwar auch selbstbefruchtende Feigen, jedoch bedeutet das nicht, dass es nicht möglich ist, dass auch hier eine Feigenwespe gestorben ist und über Enzyme abgebaut wurde.
In diesem natürlichen Prozess sind also beide aufeinander angewiesen, weshalb es weder aus moralischer Sicht, noch per Veganismus-Definition einen Grund gibt zu behaupten, Feige sei nicht vegan.
Jedoch beschränken sich Menschen, selten auf die Einschränkungen natürlicher Prozesse. Daher gibt es hier ein ABER, auf das wir am Ende noch einmal eingehen werden.

Insekt stirbt in Feige, aber Feigen sind trotzdem vegan?
Dem Veganismus geht es darum Tierleid, insbesondere systematisches und vermeidbares Tierleid zu verhindern. In dem natürlichen Prozess, in dem Feigen oder andere Pflanzen von Insekten befruchtet werden, sind jedoch beide aufeinandere angewießen. Dieser Prozess ist notwendig und ist daher kein Fall vermeidbaren Tierleids. Auch, die Behauptung Veganer:innen würden mit jeder Feige ein Insekt essen stimmt nicht, da in der reifen Feige durch die Zersetzung der Feigenwespe durch Enzyme nur noch Abbauprodukte und kein erkennbares Insekt vorhanden ist. Menschen, denen es um die Diffamierung von Veganismus geht, sehen gern auch diese Abbauprodukte als tierische Bestandteile um Veganismus an sich als große Heuchellei zu entlarven. Das ist jedoch weder rational noch zielführend.
Sind in Deutschland angebaute Feigen vegan?
Natürlich gilt das alles auch für Feigen aus Deutschland. Hinzu kommt jedoch, dass in Deutschland die Feigengallwespe nicht heimisch ist. Daher werden hier hauptsächlich selbstfruchtende Feigensorten angebaut, die ohne Bestäubung durch die Feigenwespe Früchte tragen können. Beispiele für solche Sorten sind ‚Brown Turkey‘, ‚Dalmatie‘ und ‚Ronde de Bordeaux‘.
Das ABER „Caprifikation“ – Sind Feigen manchmal doch nicht vegan?
Caprifikation ist ein Verfahren, das bei der Kultivierung bestimmter Feigensorten, insbesondere der essbaren Feigenarten wie der Ficus carica, angewendet wird. Es dient dazu, die Fruchtbildung und Reifung der Feigen zu fördern. Bei der Caprifikation werden männlichen Feigen (Bocksfeigen) mit Feigengallwespen in der Nähe der weiblichen Feigenbäume platziert, damit diese beim Verlassen der männlichen Feigen, die weiblichen Feigen befruchten.
Diese Methode findet man eher in traditionellen Anbaugebieten. Häufiger werden jedoch selbstbefruchtende Sorten angebaut, was die Caprifikation überflüssig macht.
Im Falle der Caprifikation kann es angebracht sein darüber zu sprechen, ob hier ein Fall von Tierausbeutung vorliegt. Da diese Methode jedoch zunehmend seltener angewendet wird und sich als Endverbraucher kaum nachvollziehen lässt woher Feigen stammen, insbesondere in verarbeiteten Lebensmitteln, ist ein genereller Verzicht auf Feigen aus unserer Sicht etwas, das man als Veganer:in tun kann oder eben nicht. In beiden Fällen musst du dich weder schlecht, noch angreifbar fühlen. Falls möglich können Veganer:innen auf nicht selbstbefruchtende Sorten, wie Calimyrna, Sari Lop, Marabout oder Zidi (Quelle) verzichten. Wie bereits erläutert muss man aber auch bei diesen Sorten nicht zwangsläufig von Tierausbeutung sprechen.