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Warum setzt du dich für Tiere ein, obwohl es Menschen gibt die leiden?

„Veganismus ist ein Luxusproblem“, „Nicht jeder kann sich vegan ernähren“, „Menschen die hungern können sich deine Moral nicht leisten“ – typische Beispiele für „Whataboutism“, d.h. vermeintliche Gegenargumente, die darauf abzielen von einem Thema abzulenken, weil man sich inhaltlich nicht damit auseinandersetzen kann oder möchte. Whataboutism mit der Definition von Whataboutism zu kontern kann helfen, führt aber meiner Erfahrung nach, selten zurück zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung.
Daher versuche ich es mit einem anderen Einstieg:

„Die Idee, dass manche Leben weniger wert sind, ist die Wurzel allen Übels auf dieser Welt.“ – Dr. Paul Farmer

Das Leben von Frauen weniger, als das von Männern. Das Leben von Menschen mit Behinderung weniger, als das von Menschen ohne. Das Leben von Homosexuellen weniger als das von Heterosexuellen. Das Leben von nicht-deutschen Menschen weniger als das von Deutschen. Das von Tieren weniger als das von Menschen. …
Warum setze ich mich für Tiere ein, obwohl es Menschen gibt die leiden? – Warum nicht für Kinder, für von Obdachlosigkeit betroffene Menschen, für Gleichberechtigung, gegen Diskriminierung oder Rassismus?

Weil das eine das andere nicht ausschließt und, weil wir was mich betrifft alle den gleichen Kampf führen. Nämlich den gegen die Idee, dass manches Leben weniger Wert ist als anderes. Das mögen Menschen sicher anders sehen, aber ich glaube wir würden uns als Menschheit nicht immer wieder im Kreis drehen, wenn alle die diesen Kampf führen das verstehen würden. Dann müsste man Menschen die gegen Rassismus kämpfen nicht von Feminismus überzeugen. Menschen die gegen Diskriminierung kämpfen nicht von Veganismus.

Würde es mich also genauso viel Überwindung kosten eine Ameise zu verletzen wie einen Menschen? Natürlich nicht. Aber solange nicht die Notwendig besteht (z. B. Notwehr oder der Wille selbst zu überleben) würde ich beides nicht tun. Das ist keine Frage von: Würdest du A oder B? Die Frage für mich lautet immer: Ist es notwendig? Der Einsatz für Menschenrechte erfordert keineswegs den Konsum von tierischen Produkten.

Für dich sind Tiere weniger wert als Menschen? Weltweit leiden über 800 Millionen Menschen an Hunger. Gleichzeitig schaffen wir es 70 – 80 Milliarden Nutztiere zu ernähren. Liegt das daran, das dir Fleisch essen so wichtig ist? Wohl nicht. Aber daran, dass es dir so wichtig, deinen Nachbarn, den Menschen in deinem Haus, den meisten Menschen in deiner Stadt, in Deutschland und weltweit.

Zudem glaube ich, dass wir anfangen müssen unseren Konsum in einem größeren Kontext zu sehen. Eine vegane Ernährung senkt den Ausstoß von CO2 (inkl. Äquivalente) im Vergleich zu einer omnivoren Ernährung um bis zu 46% und den Wasserverbrauch um bis zu 55%. Warum leben also nicht alle Umweltschützer:innen vegan? Warum trifft man bei Fridays for Futur nicht nur auf Veganer:innen? Wie können wir von der Politik fordern, was wir nicht selbst bereit sind umzusetzen? Irgendjemand soll gefälligst irgendwas machen? Sei du irgendjemand.

Wusstest du, dass in Deutschland ca. jedes dritte Schwein von der Firma Tönnies geschlachtet wird? Tönnies ist zuletzt negativ aufgefallen, weil ein Corona-Ausbruch in einem Schlachthaus zum Lockdown eines ganzen Kreises geführt hat. Nebenbei rückten dadurch auch, zumindest für kurze Zeit, die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in den Schlachthäusern in den Fokus der Öffentlichkeit. Schweinefleisch zu essen, obwohl man sich für Menschenrechte einsetzt scheint mir daher ein Widerspruch zu sein. Clemens Tönnies ist übrigens auch schon durch rassistische Äußerungen negativ aufgefallen. Solange jedoch selbst auf Antifademos Bratwürste gegessen werden, schadet ihm das nicht.

Du bist wertvoll wenn du dich für die Umwelt einsetzt, auch wenn du dich nicht vegan ernährst. Du bist genauso wertvoll, wenn du dich nicht vegan ernährst und dich für Menschenrechte, gegen Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Sexismus, Cissexismus oder jede andere Form von Dirskimminierung einsetzt aber du gibts Macht ab. Deine Stimme, dein Einsatz und deine Handlungen haben eine Bedeutung. Durch deinen Aktivismus verschaffst du dir Gehör bei anderen Menschen und der Politik aber der Markt und jene Menschen die aufgrund ihres Geldes in unserem System sehr viel Macht haben werden dich erst hören, wenn du dein Konsumverhalten änderst.

Wer braucht eigentlich Daunen?

Warum habe ich keine Daunenwinterjacke, sondern eine mit synthetischer Füllung? Kurz gesagt: Weil ich es kann. Synthetische Stoffe haben in der Regel die besseren Eigenschaften und behalten diese über die Jahre auch, was man bei Daunenjacken nicht immer behaupten kann.

Der Irrtum dem sich viele Menschen in Bezug auf Daunen nur zu gerne hingeben ist, dass sie ein „Abfall-Produkt“ seien. D.h. Tiere werden geschlachtet und statt die Federn einfach wegzuwerfen nutzt man sie lieber sinnvoll. Leider sind Daunen in der Regel kein Abfallprodukt sondern werden Tieren häufig lebend gerupft, die extra für diesen einen Zweck gehalten werden.

Was du tun kannst um diese Qual zu verhindern

Im Idealfall auf Produkte mit Daunen verzichten, denn auch in Daunen die nicht von lebenden Tieren stammen steckt ein kurzes Leben in Gefangenschaft und schließlich der Tod. Wenn du nicht auf Daunen verzichten möchtest hat der Deutsche Tierschutzbund einige Tipps zusammengestellt, die dir dabei helfen können das Tierleid in der Daunenproduktion zu verringern:

– tierschutzbund.de/aktion/mitmachen/verbrauchertipps/federn-und-daunen

Weitere Quellen

– www.swr.de/wissen/daunenjacken-lebendgerupfte-gaense-und-alternativen

– peta.de/daunen

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